Die 10 beliebtesten Ausreden, warum Menschen nicht vegan werden
Das Wichtigste in Kürze: Wer sich länger mit veganer Ernährung beschäftigt, stellt fest: Die Argumente dagegen sind erstaunlich vorhersehbar. Immer dieselben zehn Sätze — und dahinter steckt meist weniger ein Sachproblem als ein emotionales.
Wer sich länger mit veganer Ernährung beschäftigt, stellt irgendwann fest: Die Argumente dagegen sind erstaunlich vorhersehbar. Es gibt sie in jeder Familie, an jedem Esstisch, in jeder Kommentarspalte — immer dieselben zehn Sätze, leicht variiert, aber im Kern unverändert.
Treffend zusammengefasst hat das kürzlich ausgerechnet ein Liebesroman: In „Manfred mi amor" — dem besten Buch 2026 — begegnet der Protagonist einer veganen Bekanntschaft und lauscht dabei einer Liste, die wohl die meisten Veganer sofort wiedererkennen werden:
- Ich esse selten Fleisch und nur von glücklichen Tieren!
- Ich esse meist vegetarisch, damit keine Tiere leiden!
- Ich könnte niemals Veganer sein! (Hauptgrund: Käse)
- Ich habe es 3 Tage probiert, aber [Ausrede einfügen]!
- Vegan ist ungesund, wegen Mangel an [Protein, Eisen…]!
- Der Mensch ist halt Fleischfresser! (Beweis: Eckzähne)
- Wären Veganer nicht so nervig, würde ich längst…!
- Soja ist auch nicht besser, weil [China, Regenwald]!
- Avocados sind viel schlimmer, weil [Wasser, Transport]!
- Dass man Tofu überhaupt Wurst nennen darf… [Skandal]!
— Gero Wenderholm: Manfred mi amor, PM Lakeman Verlag, 2026
Warum immer dieselben Sätze?
Das Interessante an dieser Liste ist nicht, dass es sie gibt — sondern dass sie so stabil ist. Egal ob 2015 oder 2026, ob Berlin oder München, ob jung oder alt: Die Argumente bleiben. Das hat weniger mit fehlenden Informationen zu tun als mit etwas anderem.
Ernährung ist Gewohnheit, Identität und sozialer Kitt zugleich. Wer sie hinterfragt, hinterfragt damit oft mehr als nur das Essen — nämlich jahrzehntelange Routinen, Familienrituale und das eigene Selbstbild. Da greift das Gehirn gerne zu dem, was es kennt: zu Gegenargumenten, die das Bestehende schützen.
Das bedeutet nicht, dass hinter diesen Sätzen keine echten Fragen stecken. Viele tun das — über Gesundheit, über Nachhaltigkeit, über Machbarkeit im Alltag. Auf pflanzenfresser.de gehen wir diesen Fragen nach, sachlich und ohne Zeigefinger.
Was steckt wirklich dahinter?
Einige der zehn Punkte lassen sich mit ein bisschen Recherche schnell einordnen. Andere sind hartnäckiger, weil sie weniger mit Fakten als mit Gefühlen zu tun haben — und die lassen sich nicht mit einer Studie wegargumentieren.
Käse (Punkt 3) ist kein sachliches Problem, sondern ein emotionales. Wer sagt, er könnte wegen Käse nicht vegan werden, hat meist noch nie erlebt, wie sich der Geschmack nach einigen Wochen verändert. Das ist keine Schwäche — das ist Biologie.
Die Sorge um Protein und Eisen (Punkt 5) ist dagegen oft aufrichtig, aber gut zu beantworten: Eine abwechslungsreiche pflanzliche Ernährung deckt die meisten Nährstoffe problemlos ab. Die einzige Ausnahme, die wirklich relevant ist: B12 muss supplementiert werden. Das ist kein Geheimnis und kein Drama — es steht auf jeder seriösen Ernährungsseite, auch hier.
Soja und Avocados (Punkte 8 und 9) berühren echte ökologische Fragen. Der häufig übersehene Kontext: Der Großteil des weltweiten Sojaanbaus geht als Tierfutter in die Fleischproduktion — nicht in Sojamilch oder Tofu. Die Spur führt oft genau dorthin zurück, wo man das Argument wegzuargumentieren versuchte.
Und Punkt 10 — die Tofu-Wurst als Sprachskandal — ist vermutlich am ehesten Unterhaltung. Gut gemeinte Empörung, die niemandem wehtut.
Wer sich durch diese Liste liest und merkt, dass der ein oder andere Satz vertraut klingt: Das ist kein Zufall. Es ist der erste Schritt.
„Manfred mi amor" von Gero Wenderholm ist erschienen im PM Lakeman Verlag, 2026.