Gero Wenderholm · · Ernährung & Nährstoffe

Sind vegane Ersatzprodukte wirklich gesünder?

Ausgewogene vegane Ernährung

Kurze Antwort: Meistens nicht gesünder als das tierische Original — manchmal schlechter. Sie sind ein nützliches Umstellungswerkzeug und praktische Convenience-Lösung, aber kein Kernstück einer guten veganen Ernährung.

Ich habe eine Weile gebraucht, um mit veganen Ersatzprodukten ins Reine zu kommen. Der Weg ging grob durch drei Phasen: Begeisterung („es gibt vegane Nuggets!“), Ernüchterung („warum schmeckt das wie gesalzenes Styropor?“), und schließlich eine pragmatische Haltung, mit der ich gut lebe.

Was das Marketing verspricht — und was stimmt

Beyond Meat, Oatly, Violife — große Namen, große Marketingbudgets. Das Versprechen: gleicher Genuss, weniger Leid, besser für die Umwelt. Das stimmt im Vergleich zum tierischen Äquivalent meistens. Was das Marketing weniger betont: der Vergleich mit einem Teller Linsen und Gemüse geht dabei verloren.

Ein Blick auf die Zutatenliste

Nimm einen beliebigen veganen Burger-Patty und lies die Zutatenliste. Du wirst finden: Erbsenprotein-Isolat, Sonnenblumenöl, Methylcellulose, modifizierte Stärke, natürliche Aromen, Farbstoffe. Das ist hochverarbeitetes Lebensmittel. Nicht grundsätzlich schlecht — aber auch kein Naturprodukt. Zum Vergleich: Ein Burger aus schwarzen Bohnen, Hafer und Gewürzen selbst gemacht hat eine Zutatenliste, die ich auf einer Hand abzählen kann.

Das Bewertungssystem NOVA klassifiziert stark verarbeitete Lebensmittel unabhängig vom Rohstoff als ungünstig. Viele vegane Ersatzprodukte landen in dieser Kategorie — viele tierische übrigens auch.

Wo Ersatzprodukte wirklich sinnvoll sind

Als Übergangshelfer: In den ersten Wochen sind Ersatzprodukte psychologisch wertvoll. Wenn der Körper gewohnte Texturen vermisst, hilft ein veganes Schnitzel dabei, nicht aus der Bahn zu geraten. Das ist legitim.

Als Convenience-Lösung: An Tagen, an denen Kochen keine Option ist. Lieber ein veganer Aufschnitt auf dem Brot als drei Stunden später eine Pizzaschachtel.

Als Genussmittel: Weil gutes Essen auch Genuss sein darf. Ein gut gemachter veganer Käse auf einer guten Pasta ist kein Versagen. Es ist Mahlzeit.

Wo sie nicht hingehören

Als Kernstück einer täglichen Ernährung. Wer morgens veganen Joghurt, mittags Soja-Bolognese und abends vegane Wurst isst, ernährt sich vegan — aber nicht besonders gut. Eine 2023 im British Medical Journal erschienene Studie fand, dass hoher Konsum ultra-verarbeiteter Lebensmittel — vegan oder nicht — mit erhöhten Risiken für Herzerkrankungen und Diabetes assoziiert ist.

Meine persönliche Haltung

Ich kaufe Oatly-Haferdrink, weil er funktioniert. Ich kaufe manchmal veganen Käse, weil er auf einer Pizza besser aussieht als kein Käse. Ich kaufe keine vegane Bratwurst, weil Bratwurst nie mein Ding war und ich nicht verstehe, warum das jetzt anders sein sollte.

Gute Faustregel:

Je kürzer die Zutatenliste, desto besser. Das gilt für vegane Produkte genauso wie für alle anderen.