Kommt mein positiveres Grundgefühl durch den Veganismus?
Kurze Antwort: Möglicherweise ja — über die Darm-Hirn-Achse beeinflusst Darmflora die Stimmung, und ballaststoffreiche Ernährung verbessert die Darmgesundheit. Dazu kommt das Gefühl der Wertkongruenz: wenn Handeln und Überzeugung übereinstimmen, steigt das Wohlbefinden. Beides ist plausibel, aber nicht für jeden garantiert.
Das ist die Frage, auf die ich am längsten keine Antwort hatte. Und die ich trotzdem immer wieder gestellt habe, weil das Gefühl real war und ich verstehen wollte, woher es kommt.
Nach ein paar Wochen vegan gab es dieses Grundgefühl — nicht Euphorie, nichts Dramatisches, aber eine Art Leichtigkeit und eine stabilere Stimmung, die ich vorher nicht kannte. Oder die ich kannte, aber nicht als dauerhaften Zustand.
Was die Wissenschaft dazu sagt
Es gibt tatsächlich Forschung dazu. Eine Studie aus dem Jahr 2020 (Nutrients) fand, dass pflanzliche Ernährung mit besserer Stimmung und niedrigerem Angstniveau assoziiert ist. Eine mögliche Erklärung: der Darm ist über die sogenannte Darm-Hirn-Achse eng mit dem Nervensystem verbunden — und die Darmflora beeinflusst die Produktion von Neurotransmittern, darunter Serotonin. Etwa 90 Prozent des körpereigenen Serotonins werden im Darm produziert. Eine veränderte Darmflora durch ballaststoffreiche Ernährung kann also tatsächlich Einfluss auf das subjektive Wohlbefinden haben.
Das heißt nicht: vegan sein macht glücklich. Es heißt: die Darmgesundheit beeinflusst die Stimmung, und pflanzliche Ernährung wirkt sich positiv auf die Darmgesundheit aus. Das ist ein plausibler Zusammenhang, aber kein Naturgesetz.
Was ich nicht ausschließen kann
Ich kann nicht ausschließen, dass ein Teil des Grundgefühls aus der Entscheidung selbst kommt — aus dem Gefühl, etwas Konsequentes getan zu haben, das meinen Werten entspricht. Psychologen nennen das Wertkongruenz: wenn Handeln und Überzeugung übereinstimmen, erhöht das das Wohlbefinden. Das ist kein Placebo, das ist Psychologie.
Außerdem habe ich gleichzeitig meine Schilddrüsenmedikation abgesetzt und auf Naturkosmetik umgestellt. Welcher Anteil des Grundgefühls von welcher Veränderung kommt — das kann ich nicht auseinanderhalten. Das sage ich bewusst, weil ich keine falschen Versprechen machen will.
Was ich sagen kann
Das Grundgefühl ist nicht weggegangen. Es ist mehrere Jahre später noch da. Ob das an der Ernährung liegt, an der Schilddrüse, an der Wertkongruenz oder an einer Kombination aus allem — ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich es nicht missen möchte.
Wenn du dieses Gefühl kennst oder nach einigen Wochen veganer Ernährung erwartest: manche erleben es, manche nicht. Es ist kein Marker dafür, ob man es „richtig“ macht. Und wer es nicht erlebt, isst trotzdem nicht falsch.