Das ist die persönlichste Frage auf dieser Seite und die, bei der ich am sorgfältigsten sein will. Nicht weil ich die Antwort nicht kenne, sondern weil es zwei Antworten gibt: meine persönliche Geschichte und das, was ich medizinisch verantworten kann zu sagen. Beides steht hier, klar getrennt, damit du selbst einordnen kannst, was davon für dich relevant ist.
Was ist bei mir passiert?
Ich hatte eine Schilddrüsenfehlfunktion und nahm Hormontabletten. Irgendwann habe ich die Tabletten eigenständig abgesetzt, parallel zu meiner Umstellung auf vegane Ernährung und Naturkosmetik. Das war keine medizinische Empfehlung, das war meine Entscheidung, und ich sage das ohne Stolz: Es war auch riskant, und ich rate niemandem, das ohne ärztliche Begleitung nachzumachen.
Drei Jahre später war ich zur Kontrolluntersuchung. Meine Ärztin freute sich, dass ich "endlich richtig eingestellt" sei. Sie wusste nicht, dass ich keine Tabletten mehr genommen hatte. Später haben mir mehrere Ärzte bescheinigt, dass meine Blutwerte ausgezeichnet sind.
Was bedeutet das und was nicht?
Ich sage nicht: Vegane Ernährung heilt Schilddrüsenprobleme. Das sage ich ausdrücklich nicht. Schilddrüsenerkrankungen sind komplex, individuell unterschiedlich und in vielen Fällen genetisch bedingt. Mein Verlauf ist ein Datenpunkt, kein Beweis.
Was ich sagen kann: Es gibt Forschung zu möglichen Zusammenhängen zwischen Ernährung und Schilddrüsenfunktion. Einige Studien legen nahe, dass bestimmte Substanzen in verarbeiteten Lebensmitteln und konventioneller Kosmetik, darunter endokrine Disruptoren wie Phthalate und Parabene, die Schilddrüsenfunktion beeinflussen können. Der Wegfall dieser Substanzen durch pflanzliche Ernährung und Naturkosmetik ist ein plausibler, wenn auch nicht bewiesener Faktor. Ähnlich vorsichtig ordne ich übrigens mein besseres Grundgefühl seit der Umstellung ein.
Worauf musst du bei Schilddrüse und veganer Ernährung achten?
Jod: Für die Schilddrüse essenziell, sie baut es direkt in ihre Hormone ein. Veganer nehmen weniger Jod auf, weil Meeresfisch und Milchprodukte wegfallen. Jodmangel kann die Schilddrüsenfunktion verschlechtern, ein Überschuss (zum Beispiel durch Kelp-Algen) ebenfalls. Jodiertes Speisesalz ist die Basis, die genaue Dosierung eines Supplements gehört mit der Ärztin oder dem Arzt abgestimmt. Alle Details stehen im Artikel zu Jod in der veganen Ernährung.
Selen: Ebenfalls wichtig, denn selenabhängige Enzyme aktivieren die Schilddrüsenhormone. Paranüsse sind die reichhaltigste pflanzliche Quelle: Zwei bis drei Stück täglich decken den Bedarf. Aber nicht mehr, Selen ist in hohen Dosen toxisch. Die Böden in Europa sind selenarm, deshalb liefern heimisches Getreide und Gemüse eher wenig. Wer keine Paranüsse mag, bespricht ein niedrig dosiertes Supplement am besten ärztlich, statt auf eigene Faust zu dosieren.
Regelmäßige Kontrolle: Wer Schilddrüsenprobleme hat und auf vegane Ernährung umstellt, sollte das ärztlich besprechen und die Werte engmaschiger kontrollieren lassen als sonst, mindestens halbjährlich. Bei mir ist Jod bis heute ein Sonderthema, das ich ärztlich begleiten lasse, genau wie den Rest meiner Supplement-Routine.
Was ich wirklich glaube: dass die Kombination aus veganer Ernährung, Naturkosmetik und dem Wegfall bestimmter Umweltstoffe meinem Körper geholfen hat. Ob das auch für dich gilt, weiß ich nicht. Aber die Frage zu stellen und mit einem offenen Arzt zu besprechen, das halte ich für sinnvoll.