Gero Wenderholm · · Nährstoffe

Protein vegan abdecken — so geht's ohne Taschenrechner

Pflanzliche Proteinquellen

Das Wichtigste in Kürze: Tofu, Tempeh, Hülsenfrüchte und Seitan liefern reichlich Protein. Wer täglich eine handfeste Portion davon isst und abwechslungsreich kocht, trifft seinen Bedarf — auch mit Sport.

Die meistgestellte Frage, die mir Nicht-Veganer stellen, lautet: „Aber woher nimmst du dein Protein?“ Ich laufe Marathons. Ich trainiere regelmäßig. Und ich hatte seit dem Umstieg kein einziges Problem mit meiner Proteinversorgung. Ich sage das nicht, um damit anzugeben — sondern weil ich diese Frage verstehe. Ich hatte sie selbst.

Die kurze Antwort: Protein steckt in Hülsenfrüchten, Tofu, Tempeh, Seitan, Nüssen, Samen und Getreide. Wer abwechslungsreich isst, kommt ohne Taschenrechner auf seinen Tagesbedarf.

Wie viel Protein brauche ich überhaupt?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 0,8 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich für Erwachsene. Wer Sport treibt, vor allem Kraft- oder Ausdauersport, sollte eher bei 1,2 bis 1,6 g liegen. Ich wiege etwa 80 kg und trainiere für Marathons — ich komme auf 100–120 g täglich, ohne es zu erzwingen.

Die besten pflanzlichen Proteinquellen

  • Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen, Bohnen): 7–9 g Protein pro 100 g (gekocht). Günstig, vielseitig, sättigend.
  • Tofu: 8–10 g pro 100 g. Nimmt Aromen gut an, funktioniert in fast jedem Gericht.
  • Tempeh: 19–20 g pro 100 g. Fermentiert, fester als Tofu, nussiger Geschmack. Mein persönlicher Favorit.
  • Seitan: bis zu 25 g pro 100 g. Weizengluten — Textur und Biss fast wie Fleisch. Nicht für Zöliakie-Betroffene.
  • Edamame: 11 g pro 100 g. Einfach zu kochen, toll als Snack.
  • Quinoa: 14 g pro 100 g (trocken). Vollständiges Aminosäureprofil — eines der wenigen Getreide, das das schafft.

Das Thema „vollständige Aminosäuren"

Jahrelang hieß es, pflanzliche Proteine müssen in bestimmten Kombinationen gegessen werden, um „vollständig" zu sein (z.B. Reis + Bohnen). Das stimmt so nicht mehr. Solange du im Laufe des Tages verschiedene Proteinquellen isst, bekommt dein Körper alle essenziellen Aminosäuren. Das Kombinieren bei jeder Mahlzeit ist kein Muss.

Einzig Lysin verdient Aufmerksamkeit — es ist in vielen Getreidesorten niedrig. Hülsenfrüchte gleichen das aus. Wer täglich eine Portion Linsen, Bohnen, Tofu oder Tempeh isst, ist gut versorgt.

💡 Praktischer Tipp: Kein täglicher Proteinrechner nötig. Meine Faustregel: bei jeder Hauptmahlzeit eine handfeste Portion Hülsenfrüchte oder Tofu/Tempeh — erledigt.

Als Marathonläufer mit veganer Kost

Ich habe meinen ersten Marathon nach der Umstellung auf vegan gelaufen. Mein Ergebnis war besser als davor. Das beweise ich als N=1 natürlich gar nichts — aber die Angst, dass vegane Ernährung sportliche Leistung limitiert, ist durch meine Erfahrung zumindest nicht bestätigt worden.