Ich habe mit der veganen Ernährung nicht wegen des Klimas angefangen. Das Thema kam erst später, als ich anfing, mich einzulesen, und feststellte, dass die Zahlen tatsächlich eindrücklich sind. Ich schreibe das hier, weil ich glaube, dass sachliche Daten überzeugender sind als Überzeugungsversuche. Zieh am Ende bitte deine eigenen Schlüsse.

Wie groß ist der Anteil der Tierhaltung an den Emissionen?

Die Welternährungsorganisation FAO schätzt den Anteil der Tierhaltung an den globalen Treibhausgasemissionen auf etwa 14,5 Prozent. Je nach Studie und Abgrenzung kursieren auch andere Werte, die Größenordnung ist aber unstrittig: Es ist ein relevanter Teil des Problems, vergleichbar mit dem Transportsektor.

Der größte Anteil entfällt auf Rind- und Milchwirtschaft, vor allem durch Methan aus der Verdauung der Tiere und durch Landnutzungsänderungen, also Abholzung für Weideland und Futtermittelanbau.

Auf Produktebene wird es greifbarer. Nach den bei Our World in Data aufbereiteten Daten verursacht ein Kilogramm Rindfleisch im globalen Durchschnitt grob 60 Kilogramm CO2-Äquivalente, ein Kilogramm Tofu etwa 3. Das ist ungefähr der Faktor 20. Selbst wenn man konservativ rechnet und günstige Produktionsbedingungen für das Fleisch ansetzt, bleibt ein Vielfaches übrig.

Die Größenordnungen für einige Alltagsprodukte, gerundet auf Basis der Daten bei Our World in Data:

Lebensmittel (1 kg) CO2-Äquivalente, grob
Rindfleisch um 60 kg
Käse um 20 kg
Geflügel um 6 kg
Tofu um 3 kg
Hülsenfrüchte um 1 kg

Die genauen Werte schwanken je nach Produktionsweise erheblich, die Rangfolge tut es nicht.

Warum ist die Landnutzung der unterschätzte Aspekt?

Ein großer Teil der weltweiten Landwirtschaftsfläche dient der Tierhaltung oder dem Anbau von Tierfutter, nach den Daten bei Our World in Data deutlich über 70 Prozent. Geliefert wird damit aber nur ein kleiner Teil der globalen Kalorien, die gängige Schätzung liegt bei unter 20 Prozent. Pflanzliche Lebensmittel sind schlicht flächeneffizienter.

Das bedeutet nicht, dass jede Tierhaltung gleich zu bewerten ist. Extensive Weidehaltung auf Flächen, die sich für Ackerbau nicht eignen, hat andere Effekte als industrielle Mast mit importiertem Futter. Die Realität ist komplex, die Richtung der Daten trotzdem eindeutig.

Wie sieht es beim Wasserverbrauch aus?

Auch hier sind die Verhältnisse klar, auch wenn die absoluten Zahlen je nach Region und Methode stark schwanken. Gängige Schätzungen nennen für ein Kilogramm Rindfleisch gut 15.000 Liter Wasser, für Weizen und Hülsenfrüchte einen Bruchteil davon. Solche Werte sind mit Vorsicht zu lesen, weil sie Regenwasser mitzählen. Aber selbst bei konservativer Rechnung bleibt: Pflanzliche Kalorien brauchen deutlich weniger Wasser als tierische.

Was heißt das für die eigene Ernährung?

Mehrere unabhängige Auswertungen kommen zum selben Ergebnis: Die Reduktion von Rindfleisch und Milchprodukten gehört zu den wirksamsten Einzelmaßnahmen, mit denen eine Person ihren CO2-Fußabdruck senken kann, in vielen Rechnungen wirksamer als der Verzicht aufs Auto. Wie viel das konkret in Tonnen ausmacht, habe ich unter Wie viel CO2 spare ich durch vegane Ernährung? genauer aufgedröselt.

Das ist eine Information, keine Forderung. Es muss auch nicht die Alles-oder-nichts-Entscheidung sein: Schon der Tausch von Rindfleisch gegen Hülsenfrüchte oder von Kuhmilch gegen Haferdrink verschiebt die persönliche Bilanz spürbar. Wer bei null anfängt, findet unter Was ist vegane Ernährung? den Einstieg in kleinen Schritten.

Warum erzähle ich das, wenn es nicht mein Motiv war?

Ich bin über andere Wege zum Veganismus gekommen, ein Urlaub in Portugal spielte dabei eine größere Rolle als jede Klimastatistik. Aber zu wissen, dass meine Ernährungsweise nebenbei eine der ressourcenschonendsten ist, die sich in einem deutschen Familienalltag umsetzen lässt: Das gibt mir ein gutes Gefühl. Nicht, weil ich mich für besser halte. Sondern weil ich gut esse und die Daten trotzdem auf meiner Seite sind. Das ist kein schlechter Deal.