Hamburg hat inzwischen genug vegane und veganfreundliche Restaurants, dass Essengehen kein Drama mehr ist. Aber ich erinnere mich noch gut an die ersten Restaurantbesuche nach meiner Umstellung, als ich die Karte dreimal gelesen habe und danach wusste: Ich esse heute Pasta mit Tomatensauce, oder ich esse Pasta mit Tomatensauce.

Das hat sich geändert. Nicht nur, weil das Angebot besser geworden ist, sondern weil ich besser geworden bin im Navigieren. Hier sind die Strategien, die sich bewährt haben.

Warum lohnt sich der Blick auf die Karte vorab?

Die meisten Restaurants haben ihre Karte online. Zwei Minuten vor dem Losgehen zu schauen, ob es Optionen gibt, erspart das stille Studieren am Tisch, während alle anderen längst wissen, was sie wollen. Keine große Vorbereitung, aber ein echter Unterschied für den Abend. Bei Restaurants ohne erkennbare Option rufe ich im Zweifel kurz an, Küchen sagen ehrlich, was geht.

Wie funktioniert die Beilagen-Methode?

In Restaurants ohne explizit vegane Gerichte schaue ich zuerst in die Beilagen- und Vorspeisenkarte. Dort finden sich fast immer Hummus, Antipasti, Gemüsegerichte, Salate oder Bratkartoffeln, aus denen sich problemlos eine Mahlzeit zusammenstellen lässt. Ich frage dann einfach: „Kann ich Gericht X als Hauptspeise haben und dazu Y?"

Küchen sind flexibler, als ihre Karten vermuten lassen, besonders außerhalb der Stoßzeiten. Was als Verlegenheitslösung klingt, ist oft ein besseres Essen als das eine Alibi-Gericht mit dem V-Symbol.

Was sage ich dem Personal am besten?

Früher sagte ich: „Ich bin vegan." Das löst bei manchen Menschen ein Fragezeichen aus, bei anderen Panik, bei dritten das reflexhafte „Dann nimm halt den Salat." Heute sage ich: „Ich esse kein Fleisch, keinen Fisch, keine Milchprodukte und keine Eier. Gibt es etwas auf der Karte, das ohne diese Zutaten geht, oder könnt ihr etwas anpassen?"

Das klingt länger, ist aber präziser und führt deutlich häufiger zu guten Ergebnissen. Konkrete Anfragen kann eine Küche beantworten, weltanschauliche Etiketten muss sie erst übersetzen. Warum das Wort vegan bei manchen Menschen sofort Diskussionen auslöst, ist übrigens ein eigenes Thema, mehr dazu unter Warum muss ich mich als Veganer rechtfertigen?.

Ein zweiter Punkt, der unterschätzt wird: der Zeitpunkt. Wer die Bedienung beim Bestellen der Getränke kurz anspricht, gibt der Küche Vorlauf. Dieselbe Frage mitten im Abendgeschäft, wenn das Essen der anderen schon bestellt ist, hat schlechtere Karten. Freundlichkeit hilft ohnehin mehr als jedes Argument, die Person am Tisch hat die Karte nicht geschrieben.

Welche Apps helfen bei der Restaurantsuche?

HappyCow zeigt vegane und vegetarische Restaurants weltweit, mit Bewertungen und Fotos. Google Maps mit dem Filter für vegetarisch-freundliche Lokale ist die schnelle Alternative, wenn es pragmatisch sein darf. Beide lohnen sich auch für die eigene Stadt: Ich habe über die Apps Läden in Hamburg entdeckt, an denen ich jahrelang vorbeigelaufen war.

Inzwischen habe ich meine Stammrestaurants, das vereinfacht vieles. Unterwegs und im Urlaub wird die App-Recherche wichtiger, meine komplette Strategie dafür steht im Artikel Vegan auf Reisen.

Was mache ich, wenn es wirklich nichts gibt?

Es passiert. Manchmal wählt jemand anderes das Restaurant, manchmal ist man unterwegs und nicht in der Position, das zu steuern. In solchen Momenten esse ich, was geht, und mache danach keinen großen Aufstand darüber. Pommes und Salat sind kein Festessen, aber auch kein Weltuntergang.

Wie ich grundsätzlich mit solchen Kompromissen umgehe, steht unter Darf ich als Veganer Ausnahmen machen?. Die Kurzfassung: Das ist kein Scheitern. Das ist Leben. Wer bei jedem Restaurantbesuch ein Prinzipiendrama aufführt, macht sich und seiner Begleitung den Abend kaputt, und gewonnen ist damit nichts.