Gero Wenderholm · · Reisen & Alltag

Vegan auf Reisen — was ich nach Jahren gelernt habe

Veganes Essen auf Reisen

Das Wichtigste in Kürze: Kurze Recherche vor der Reise (HappyCow), Unterkunft mit Küche wenn möglich, und konkrete statt vager Restaurantanfragen. Dazu ein kleiner Snackvorrat für Notfälle. Fertig.

Ich reise gern und ich bin vegan. Beides geht zusammen — meistens problemlos, manchmal abenteuerlich, selten wirklich anstrengend. Was ich in den letzten Jahren gelernt habe: Vorbereitung ist alles, Flexibilität ist das Zweitwichtigste, und Beilagen retten mehr Mahlzeiten als man denkt.

Vor der Reise: fünf Minuten Recherche sparen zwei Stunden Hunger

HappyCow ist die App, die ich vor jeder Reise öffne. Sie zeigt vegane und vegetarische Restaurants weltweit, mit Bewertungen und Fotos. Kein Allheilmittel, aber ein guter Ausgangspunkt für jede Stadt.

Ich schaue außerdem kurz, was die lokale Küche zu bieten hat. Asiatische Länder (Thailand, Vietnam, Indien, Japan) sind erfahrungsgemäß einfach — Tofu, Gemüse, Currys ohne Fleisch sind dort keine Extraanfrage, sondern normal. Westeuropa ist unkompliziert. Schwieriger: bestimmte Regionen Osteuropas oder Länder, wo Fleisch kulturell sehr zentral ist. Da hilft ein kleiner Snackvorrat im Rucksack.

Im Hotel oder Airbnb

Bei längeren Aufenthalten versuche ich, eine Unterkunft mit Küche zu wählen. Nicht weil ich täglich kochen will, aber die Option ist Gold wert: Frühstück und einfache Abendmahlzeiten aus dem lokalen Supermarkt sind günstig, unkompliziert und lösen das Problem der Hotelfrühstücke, bei denen manchmal eine Scheibe Toast die vegane Option ist.

Im Restaurant ohne vegane Option

Meine bewährte Strategie: Ich schaue die Beilagen- und Salatkarte an. In den meisten Restaurants gibt es Pommes, Gemüse, Salate, Hülsenfrüchte oder Pasta mit Tomatensauce — auch wenn das Hauptgericht-Angebot komplett tierisch ist. Das ist kein feines Dinner, aber es funktioniert.

Ich frage nie „Was könnt ihr für mich machen?“, sondern „Ich möchte X ohne Y — geht das?“ Konkrete Anfragen werden öfter erfüllt als vage.

💡 Praktischer Tipp: In Ländern mit Sprachbarriere: Happy Cow hat oft vorgefertigte Restaurant-Karten in der Landessprache, die erklären, was du nicht isst. Alternativ: Google Übersetzer mit der Offline-Sprache vorab herunterladen.

Was ich immer dabeihabe

Ein paar Nussmischungen, Proteinriegel (vegan, klar) und manchmal eine kleine Dose Kichererbsen. Das klingt obsessiv, ist aber nach einer Erfahrung am Flughafen München um 23 Uhr, wo buchstäblich nichts Veganes zu kriegen war, zu meiner Reiseregel geworden.

Der ehrliche Teil

Es gibt Reisen, wo es mühsam ist. Eine Konferenz in einer Kleinstadt ohne einziges vegetarisches Restaurant auf der Speisekarte, drei Tage Messeessen, ein Familientreffen in einer Gegend, wo Veganer noch für eine Art Stadtmenschen-Exzentrik gehalten werden. In solchen Momenten esse ich das, was geht, ohne Drama. Perfekt ist nicht das Ziel. Machbar ist das Ziel.