Ich reise gern und ich bin vegan. Beides geht zusammen: meistens problemlos, manchmal abenteuerlich, selten wirklich anstrengend. Ausgerechnet ein Urlaub in Portugal war es übrigens, der mich überhaupt erst zur veganen Ernährung gebracht hat. Wer mir damals gesagt hätte, dass ich später Reisetipps für Veganer schreibe, hätte einen ungläubigen Blick geerntet.
Was ich seitdem gelernt habe: Vorbereitung ist alles, Flexibilität ist das Zweitwichtigste, und Beilagen retten mehr Mahlzeiten, als man denkt. Hier sind meine Strategien, sortiert nach Situation.
Wie bereitest du dich vor der Reise vor?
Fünf Minuten Recherche sparen zwei Stunden Hunger. HappyCow ist die App, die ich vor jeder Reise öffne: Sie zeigt vegane und veganfreundliche Restaurants weltweit, mit Bewertungen und Fotos. Kein Allheilmittel, aber ein guter Ausgangspunkt für jede Stadt.
Ich schaue außerdem kurz, was die lokale Küche von Haus aus hergibt. In vielen Landesküchen sind die besten veganen Gerichte keine Spezialbestellung, sondern Klassiker: Hummus und Falafel im Nahen Osten, Gemüsecurrys in Südasien, Pasta mit Tomatensauce in Italien. Wer die zwei, drei landestypischen Gerichte kennt, die zufällig vegan sind, bestellt entspannter.
Was isst du am Flughafen und im Flugzeug?
Flughäfen sind mein schwierigstes Terrain. Nach einer Erfahrung am Flughafen München um 23 Uhr, wo buchstäblich nichts Veganes zu kriegen war, gilt bei mir die Rucksackregel: Nüsse, vegane Proteinriegel und manchmal eine kleine Dose Kichererbsen sind immer dabei. Das klingt obsessiv, hat mich aber schon durch etliche Verspätungen gebracht.
Im Flugzeug gilt: Auf Langstrecken das vegane Menü (Code VGML) spätestens 24 bis 48 Stunden vorher anmelden, auf Kurzstrecken gar nicht erst auf das Bordangebot verlassen. Am Flughafen selbst sind asiatische Imbisse und Coffeeshops mit Haferdrink meist die verlässlichsten Anlaufstellen.
Wie klappt vegan im Hotel oder Airbnb?
Bei längeren Aufenthalten wähle ich, wenn möglich, eine Unterkunft mit Küche. Nicht weil ich im Urlaub täglich kochen will, aber die Option ist Gold wert: Frühstück und einfache Abendessen aus dem lokalen Supermarkt sind günstig und lösen das Problem der Hotelfrühstücke, bei denen manchmal eine Scheibe Toast die einzige vegane Option ist.
Beim Hotelfrühstück hilft eine Mail vorab: Viele Häuser stellen Pflanzendrink und Aufstriche bereit, wenn man zwei Tage vorher fragt. Nicht alle, aber öfter, als man denkt.
Was machst du im Restaurant ohne vegane Option?
Meine bewährte Strategie: zuerst die Beilagen- und Salatkarte lesen. In fast jedem Restaurant gibt es Pommes, Gemüse, Salate, Hülsenfrüchte oder Pasta mit Tomatensauce, auch wenn die Hauptgerichte komplett tierisch sind. Das ist kein feines Dinner, aber es funktioniert. Mehr Restauranttaktik steht im Artikel Vegan essen gehen.
Und ich frage nie: „Was könnt ihr für mich machen?", sondern: „Ich möchte Gericht X ohne Y, geht das?" Konkrete Anfragen werden deutlich öfter erfüllt als vage.
Welche Länder sind am veganfreundlichsten?
Mein persönliches Ranking nach etlichen Reisen, ohne Anspruch auf Wissenschaftlichkeit:
| Land / Region | Wie leicht? | Warum |
|---|---|---|
| Thailand, Vietnam | sehr leicht | Tofu und Gemüsegerichte sind Alltag, keine Extraanfrage |
| Indien | sehr leicht | riesige vegetarische Tradition, nur bei Ghee und Joghurt nachfragen |
| Großbritannien | leicht | vegane Kennzeichnung fast überall, große Auswahl in Supermärkten |
| Deutschland, Niederlande | leicht | Städte sehr gut, ländliche Regionen durchwachsen |
| Italien, Portugal, Spanien | mittel | viele zufällig vegane Klassiker, aber wenig Kennzeichnung |
| Frankreich, Osteuropa | anspruchsvoll | Butter und Fleisch sitzen tief in der Küche, Großstädte gehen gut |
Die Überraschung für viele: Asien ist einfacher als das Umland deutscher Kleinstädte. Und selbst in den anspruchsvollen Ländern lösen Großstädte plus HappyCow fast jedes Problem.
Was, wenn es trotzdem nichts gibt?
Es gibt Reisen, auf denen es mühsam ist: eine Konferenz in einer Kleinstadt ohne ein einziges vegetarisches Gericht weit und breit, drei Tage Messeessen, ein Familientreffen in einer Gegend, in der Veganer noch als Stadtmenschen-Exzentrik gelten. In solchen Momenten esse ich das, was geht, ohne Drama. Wie ich zu solchen Kompromissen stehe, habe ich unter Darf ich als Veganer Ausnahmen machen? aufgeschrieben.
Perfekt ist nicht das Ziel. Machbar ist das Ziel. Mit dieser Einstellung ist vegan reisen kein Verzichtsprogramm, sondern schlicht Reisen mit etwas mehr Vorbereitung.