Gero Wenderholm · · Einstieg & Alltag

Wie ernähre ich mich auf Reisen vegan?

Veganes Essen auf Reisen

Kurze Antwort: Mit der richtigen Vorbereitung ist vegan reisen in den meisten Ländern gut machbar. Die App HappyCow, ein Supermarktbesuch bei Ankunft und ethnische Küchen sind die drei verlässlichsten Hilfsmittel. Perfekt wird es nicht immer — aber hungern muss man nie.

Ich bin Marathonläufer und reise regelmäßig für die Arbeit. Die Frage nach dem Essen auf Reisen war für mich also keine abstrakte — sie stellte sich bei jedem zweiten Businesstrip neu. Meine ehrliche Bilanz nach ein paar Jahren: es ist einfacher als gedacht, manchmal anstrengend, und gelegentlich der beste Anlass, Gerichte zu entdecken, an denen man sonst vorbeigegangen wäre.

Das größte Missverständnis vorweg

Vegan essen auf Reisen bedeutet nicht, immer ein veganes Restaurant zu finden. Es bedeutet, in normalen Restaurants das Richtige zu bestellen — oder zusammenzustellen. Ein Beilagenteller aus Gemüse, Kartoffeln und Salat ist in den meisten europäischen Restaurants möglich. Es ist kein glamouröses Essen, aber es ist eine Mahlzeit. Für den Rest gibt es Vorbereitung.

Was mir auf Reisen wirklich hilft

HappyCow: Eine App, die vegane und vegetarische Restaurants weltweit listet. Ich nutze sie seit Jahren. Nicht weil ich immer ins vegane Restaurant will, sondern weil es entspannter ist, wenn man eine Option hat, bevor man hungrig durch eine fremde Stadt läuft.

Supermarkt vor dem Hotel: Mein erster Weg in einer neuen Stadt führt oft in einen Supermarkt. Nüsse, Obst, Hummus, Brot — damit ist die Frühstücks- und Notfallversorgung gesichert, ohne dass ich von Restaurantöffnungszeiten abhänge.

Ethnische Küchen bevorzugen: Indisch, Thai, Japanisch, Vietnamesisch, Äthiopisch, Mexikanisch — all diese Küchen haben starke pflanzliche Traditionen. In einem indischen Restaurant vegan zu bestellen ist einfacher als in einem deutschen Gasthaus.

Frühstück im Hotel: Das schwierigste Meal auf Reisen. Meistens gibt es Brot, Aufschnitt und Käse. Ich nehme das Brot, häufe Gemüse und Obst aus dem Buffet drauf, und freue mich über den Orangensaft. Keine perfekte Lösung, aber eine funktionierende.

Länder, die überraschend einfach sind

Portugal — wo mein veganer Weg begann — ist heute deutlich veganer als damals. Lissabon hat eine der dichtesten Konzentrationen veganer Restaurants in Europa. Auch Israel, Indien und Thailand sind einfach. England, insbesondere London, hat in den letzten Jahren einen enormen Sprung gemacht.

Länder, die mehr Vorbereitung brauchen

Japan ist vegan schwieriger als man denkt — Dashi (Fischbrühe) steckt in fast allem, auch in scheinbar pflanzlichen Gerichten. Frankreich außerhalb der Großstädte kann zäh sein. Und auf Kreuzfahrtschiffen ist man gut beraten, vorher Bescheid zu geben — die meisten können vegane Optionen vorbereiten, aber nicht spontan.

Der Satz, der fast immer hilft

In der Landessprache (oder Englisch) zu sagen: „Ich esse kein Fleisch, keinen Fisch, keine Milch und keine Eier“ ist präziser als „ich bin vegan“. Das Wort vegan wird in vielen Ländern und Altersgruppen nicht verstanden. Die Aufzählung schon.

Tipp

HappyCow.net und die App sind das verlässlichste Tool für vegane Restaurantsuche weltweit. Vor jeder Reise kurz schauen, was in der Nähe liegt — erspart viel Herumirren.