In unserem Kühlschrank stehen Kuhmilch und Haferdrink nebeneinander. Meine Frau und die Kinder trinken das eine, ich das andere. Nach einer Studie, die am 22. Oktober 2026 erschienen ist, wird dieses Bild in vielen deutschen Haushalten normal: Der Think Tank Agora Agrar hat zusammen mit der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) und der Universität Hohenheim durchgerechnet, wie sich der Markt für alternative Milchprodukte bis 2035 entwickeln könnte.
Was hat die Studie untersucht?
Die Autorinnen und Autoren haben zwei Szenarien entworfen. Im konservativen Szenario wächst der Anteil alternativer Milchprodukte am gesamten Pro-Kopf-Verbrauch von 7,4 Prozent im Jahr 2023 auf 12,5 Prozent im Jahr 2035. Im dynamischen Szenario sind es 25 Prozent, also ein Viertel. Den größten Zuwachs erwarten sie bei Trinkmilch, Joghurt und Sahne, bei Käse bleibt der Anteil kleiner. Pflanzliche Produkte wie Hafer- oder Sojadrink prägen den Markt in beiden Fällen, Produkte aus Präzisionsfermentation spielen erst ab 2035 eine größere Rolle.
Die Studie nimmt an, dass jeder Liter Pflanzendrink einen Liter Kuhmilch ersetzt. Ob die deutsche Milchproduktion deshalb sinkt, hängt vom Export ab. Ohne Ausgleich durch Ausfuhren könnte sie bis 2035 um 5,5 bis 19,4 Prozent zurückgehen.
Was sagt die Studie zu den Preisen?
Der durchschnittliche Preisabstand zwischen Kuhmilch und pflanzlichen Alternativen ist laut Studie von 27 Prozent im Jahr 2022 auf 13 Prozent im Jahr 2024 geschrumpft (1,52 Euro gegenüber 1,34 Euro pro Liter). Bei Eigenmarken waren Pflanzendrinks 2024 sogar rund zwei Prozent günstiger als Kuhmilch. Bei Käsealternativen sank der Abstand von 68 auf 29 Prozent, bei Joghurtalternativen von 45 auf 35 Prozent.
Einen Teil des verbleibenden Unterschieds erklärt die Mehrwertsteuer: Auf Kuhmilch und Käse gelten 7 Prozent, auf ihre pflanzlichen Alternativen 19 Prozent. Nur Joghurtalternativen fallen unter den ermäßigten Satz. Wie viel Geld in dieser Ungleichbehandlung steckt, habe ich in der News zur Mehrwertsteuer auf tierische Lebensmittel beschrieben.
Was heißt das für dich?
Erstens: Der Haferdrink im Regal ist kein Nischenprodukt mehr, und das Argument „zu teuer“ wird schwächer, vor allem bei Eigenmarken. Welche Sorte sich für Kaffee, Müsli oder Kinder eignet, steht im Pflanzenmilch-Vergleich.
Zweitens: Mehr Pflanzendrink im Kühlschrank heißt nicht automatisch weniger Calcium, wenn du zu angereicherten Produkten greifst. Die Details dazu findest du im Artikel Calcium ohne Milch.
Drittens: Käse bleibt die Baustelle, preislich und geschmacklich. Was heute schon brauchbar ist, zeige ich im Guide zu veganem Käse. Dass der Handel beim Preis noch Luft hat, zeigte zuletzt die ProVeg-Branchenanalyse.