Bei uns zu Hause stehen im Kühlschrank Kuhmilch für meine Frau und die Kinder und Haferdrink für mich nebeneinander. Auf dem Kassenbon stehen sie nicht gleichberechtigt: Auf die Milch fallen 7 Prozent Mehrwertsteuer an, auf den Haferdrink 19. Was diese Ungleichbehandlung den Staat kostet, hat jetzt das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) nachgerechnet, im Klima-Subventionsbericht 2026 für die Bertelsmann Stiftung, veröffentlicht am 16. September 2026.
Was steht in der Studie?
Der Bericht listet insgesamt rund 66 Milliarden Euro an klimaschädlichen Subventionen pro Jahr auf, den größten Teil im Verkehr und in der Energie. Für vegan Interessierte ist Kapitel 3.8 spannend: Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent auf Fleisch, Fisch und Milcherzeugnisse hat den Staat im Jahr 2024 laut FÖS 4,056 Milliarden Euro Steuermindereinnahmen gekostet, gemessen an der Differenz zum regulären Satz von 19 Prozent. 2018 waren es noch 5,24 Milliarden. Der Rückgang geht laut Studie vor allem auf den gesunkenen Fleisch- und Milchkonsum zurück.
Würden tierische Produkte mit dem vollen Satz besteuert, ließen sich laut Bericht rund 2,12 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr einsparen. Die Autoren nennen diese Schätzung selbst konservativ.
Was schlägt der Bericht konkret vor?
Der Reformvorschlag passt in drei Zeilen: Obst und Gemüse von 7 auf 0 Prozent, pflanzliche Grundnahrungsmittel einheitlich auf 7 Prozent, tierische Lebensmittel auf 19 Prozent. Zu den pflanzlichen Grundnahrungsmitteln zählt der Bericht ausdrücklich auch Alternativprodukte auf Basis von Soja, Erbsen, Hafer oder Weizen. Der Haferdrink würde also günstiger, die Milch teurer. Eine Anhebung müsste laut Autoren sozial abgefedert werden, weil Haushalte mit wenig Einkommen einen größeren Teil ihres Budgets für Lebensmittel ausgeben.
Nebenbei zeigt der Bericht, wie widersprüchlich das heutige System ist: Ein Coffee to go mit mindestens 75 Prozent Kuhmilch wird mit 7 Prozent besteuert, derselbe Kaffee mit Haferdrink mit 19.
Was heißt das für dich?
Erst mal nichts. Es handelt sich um eine Studie mit Reformvorschlag, nicht um einen Gesetzentwurf. Die 7 Prozent auf Fleisch gelten seit 1968, und wer heute Pflanzenmilch kauft, zahlt weiter den vollen Satz.
Trotzdem finde ich die Zahl wichtig, weil sie ein Argument entkräftet, das ich oft höre: Vegan sei eben teurer. Ein Teil dieses Preisunterschieds ist politisch gemacht. Die Einordnung zum Klimaeffekt findest du im Artikel zum CO2-Fußabdruck veganer Ernährung. Und wer beim Einkauf sparen will, ohne auf Steuerreformen zu warten, findet im veganen Einkaufsguide die günstigen Basics: Hülsenfrüchte, Hafer, Saisongemüse. Die kosten heute schon 7 Prozent.