Als SEO-Berater lese ich täglich Zahlen, und eine Zahl ist mir diese Woche hängen geblieben: zwei von 32. So viele Unternehmen haben sich laut ProVeg ein Ziel für den sogenannten Protein Split gesetzt. Die Branchenanalyse „Proteinvielfalt mit System“ ist am 8. Oktober 2026 erschienen und schaut auf Supermärkte, Kantinen, Systemgastronomie und Hersteller in Deutschland.

Was ist der Protein Split überhaupt?

Der Protein Split beschreibt das Verhältnis von pflanzlichen zu tierischen Verkaufsmengen. Ein Händler misst also nicht nur, wie viele vegane Produkte im Regal stehen, sondern wie viel davon tatsächlich über die Kasse geht, im Vergleich zu Fleisch, Milch und Käse. ProVeg hält diese Kennzahl für ehrlicher als reine Sortimentsziele, weil sie auf Mengen statt auf Umsatz basiert und Preisunterschiede sie nicht verzerren.

Was hat ProVeg untersucht?

Ausgewertet wurden öffentlich zugängliche Unternehmensangaben von Januar 2020 bis Juli 2026, ergänzt um Rückfragen bei den Firmen. Dabei waren sieben Handelsketten (Aldi Nord, Aldi Süd, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto und Rewe Group), sechs Betriebskantinen etwa von Audi und Volkswagen, sechs Caterer, sechs Systemgastronomen wie McDonald's und Burger King sowie sieben Hersteller.

Das Ergebnis: 28 der 32 Unternehmen bauen ihr pflanzliches Angebot aus, 21 bewerben es aktiv. Konkrete Ziele sind dagegen selten. Neun Unternehmen haben ein Ziel für den Sortimentsanteil, zwei ein Umsatzziel, und nur Lidl und Rewe Group ein Protein-Split-Ziel. Gezielte Preisanreize für pflanzliche Produkte nennen drei Unternehmen, eine bessere Platzierung im Regal zwei. Bei den sechs Betriebskantinen hat keine ein Protein-Split- oder Umsatzziel.

Wie unabhängig ist die Analyse?

Ein Hinweis zur Einordnung: ProVeg ist eine Organisation, die sich für pflanzliche Ernährung einsetzt und Unternehmen auch berät. Die Zahlen beruhen zudem nur auf dem, was Firmen selbst veröffentlichen. Wer intern misst, aber nicht darüber berichtet, taucht nicht auf. Die Richtung der Ergebnisse deckt sich aber mit dem, was du beim Einkaufen selbst siehst.

Was heißt das für dich?

Erstens erklärt die Analyse, warum pflanzliche Produkte oft noch teurer sind als tierische: Preisgestaltung ist bei den meisten Händlern schlicht kein Ziel. Dass 61 Prozent der Deutschen Fleischersatz zu teuer finden, hatte gerade erst die YouGov-Studie zum Fleischersatz gezeigt. Dazu kommt die höhere Mehrwertsteuer auf Pflanzendrinks.

Zweitens musst du auf den Handel nicht warten. Tofu, Linsen, Kichererbsen und Haferflocken sind unabhängig von jeder Preisstrategie günstig, wie ich im veganen Einkaufsguide zeige. Welche pflanzlichen Proteinquellen sich lohnen, habe ich dort ebenfalls aufgelistet.

Drittens lohnt sich ein Blick in die eigene Kantine. Wenn dort selten etwas Pflanzliches auf dem Tresen steht, ist das laut Analyse kein Zufall. Dass es anders geht, zeigen die Hochschulmensen: Dort stieg der Anteil veganer Hauptgerichte binnen zehn Jahren von 11 auf 40 Prozent, nachzulesen in meiner News zur Mensa-Studie.