Bei uns zu Hause liegen Hähnchenbrust und Räuchertofu im selben Kühlschrank. Meine Frau und die Kinder essen Fleisch, ich nicht. Wir sind damit offenbar ein typischer deutscher Haushalt. Das zeigt eine Studie, die YouGov zusammen mit dem SINUS-Institut am 28. September 2026 zum Weltvegetariertag veröffentlicht hat.

Was hat YouGov untersucht?

Die Studie kombiniert zwei Datenquellen: die tatsächlichen Einkäufe aus dem YouGov Shopper-Panel (Januar bis Juli 2026) und eine repräsentative Befragung von 2.023 Erwachsenen im August 2026. Beides wurde nach Sinus-Milieus ausgewertet, also nach Gruppen mit ähnlichen Werten.

Das Ergebnis beim Fleisch: 93 Prozent der Haushalte haben Fleisch oder Geflügel gekauft, zwei Prozentpunkte weniger als 2022. Die gekaufte Menge stieg trotzdem um 3 Prozent. 27 Prozent der Fleischessenden wollen ihren Konsum reduzieren, nur 2 Prozent wollen mehr essen. Komplett vegan können sich 14 Prozent derjenigen vorstellen, die sagen, weniger Fleisch würde ihnen guttun.

Wer kauft Fleischersatz und was genau?

Knapp 35 Prozent der Haushalte haben 2026 mindestens einmal Fleischersatz gekauft, der höchste Wert seit 2022. Spannend finde ich die Aufteilung: Fleischanaloge Produkte wie vegane Wurst, Schnitzel oder Hack legten beim Umsatz um gut 6 Prozent zu. Tofu, Falafel und ähnliche Produkte dagegen um 38 Prozent. Die Leute greifen also stärker zu den einfachen Sachen.

58 Prozent der Befragten haben Fleischersatz schon probiert, 53 Prozent halten ihn für vereinbar mit gesunder Ernährung. Die Kritik ist aber ebenso klar: 64 Prozent finden, viele Ersatzprodukte enthalten zu viele Zusatzstoffe, 61 Prozent halten sie für zu teuer.

Was heißt das für dich?

Erstens: Du musst nicht alles auf einmal umstellen. Die Studie beschreibt einen Trend zum flexiblen Umgang mit Fleisch, nicht zum Verzicht. 28 Prozent der Deutschen nennen sich inzwischen Flexitarier. Wenn du am Anfang stehst, ist das ein realistischer erster Schritt, siehe auch meinen Text über Ausnahmen beim Veganwerden beschreibe.

Zweitens: Die Skepsis bei Zusatzstoffen und Preisen teile ich zum Teil. Ich habe aufgeschrieben, welche Ersatzprodukte gesund sind und welche eher nicht. Mein Tipp deckt sich mit dem, was der Markt gerade macht: Tofu, Tempeh und Hülsenfrüchte sind günstiger und kommen ohne lange Zutatenliste aus. Wie Tofu wirklich gut schmeckt, zeige ich unter Tofu richtig zubereiten.

Drittens: Der Preisvorwurf hat auch einen politischen Hintergrund. Tierische Lebensmittel wie Fleisch und Milch werden mit 7 Prozent Mehrwertsteuer begünstigt, Pflanzendrinks dagegen mit 19 Prozent besteuert. Mehr dazu in meiner News zur Mehrwertsteuer auf tierische Lebensmittel. Beim günstigen Einkauf hilft mein veganer Einkaufsguide.